Was ist unter dem Kapitalstrafrecht zu verstehen?

Der Begriff des Kapitalstrafrechts ist nicht abschließend festgelegt oder sogar (gesetzlich) definiert. Dennoch besteht unter Juristen bzw. im Bereich des Strafrechts und der Strafverteidigung Einigkeit dahingehend, dass man unter dem Kapitalstrafrecht diejenigen Delikte versteht, die besonders schwerwiegend und gegen das Leben gerichtet sind. Typische und bekannte Beispiele sind der Mord oder auch der Totschlag.

 

Welche Strafen drohen im Bereich des Kapitalstrafrechts?

Es wird Sie vermutlich nicht überraschen, dass aufgrund der erheblichen Schwere der Delikte auch das damit einhergehende Strafmaß regelmäßig erheblich ist. Um Ihnen ein Gefühl dafür zu vermitteln, welche Strafe bei den bekanntesten Delikten des Kapitalstrafrechts droht, sei auf die nachfolgende Darstellung verwiesen:

• Mord: Als Strafmaß ist eine lebenslange Freiheitsstrafe vorgesehen. Die Haftentlassung erfolgt frühestens nach 15 Jahren.
• Totschlag: Als Strafmaß ist eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vorgesehen. Bei besonders schweren Fällen ist auch die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe möglich.

Natürlich werden nicht alle Delikte des Kapitalstrafrechts mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe geahndet. Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten, dass – wegen der Schwere der jeweiligen Straftaten – beinahe immer hohe Strafen (in der Regel langjährige Freiheitsstrafen) drohen. Nicht zuletzt auch deshalb ist es dringend anzuraten, sich umgehend eines versierten und spezialisierten Strafrechtsanwalts bzw. Verteidigers zu bedienen, sobald eine Kapitalstraftat im Raum steht. Als Experten mit umfassender Erfahrung unterstützen wir Sie bei Ihrer Verteidigung, erarbeiten gemeinsam mit Ihnen die beste Verteidigungsstrategie und setzen uns dafür ein, dass das Strafmaß so gering wie möglich ausfällt.

 

Welche weiteren Konsequenzen drohen bei Delikten des Kapitalstrafrechts?

Gerade bei Delikten des Kapitalstrafrechts zeigen auch die Öffentlichkeit und die Medienlandschaft häufig ein gesteigertes Interesse an Strafverfahren. Zu dem ohnehin schon bestehenden Druck durch eine drohende erhebliche Freiheitsstrafe kommt dann auch noch Druck aus der Öffentlichkeit dazu. Mit diesem muss sowohl der Beschuldigte als auch gegebenenfalls dessen Familie umgehen. Besonders dramatisch kann dies sein, wenn Kinder involviert sind. Auch diesbezüglich kann es von Vorteil sein, einen erfahrenen und kompetenten Strafverteidiger an der Seite zu haben. Wir übernehmen in dieser Funktion nämlich nicht nur die Aufgabe, die bestmögliche Verteidigungsstrategie für Sie zu entwickeln, sondern sorgen auch dafür, dass die Presse in Schach gehalten und Ihre Familie umfassend geschützt wird.

In diesem Zusammenhang gilt es auch zu bedenken, dass es für die Anordnung einer Untersuchungshaft nicht (wie bei anderen Delikten) eines besonderen Haftgrundes bedarf (§ 112 Abs. 3 der Strafprozessordnung). Daher kommt bei den Delikten des Kapitalstrafrechts sehr häufig zu einer Anordnung der Untersuchungshaft. Das bedeutet aber auch, dass der Beschuldigte – selbst, wenn er wollte – nicht in der Lage ist, sich um seine Familie zu kümmern oder die Medienlandschaft zu beeinflussen. Als Ihre Anwälte übernehmen wir von Göbel & Partner die Aufgaben in einer derartigen Ausnahmesituation gerne für Sie und sorgen für umfassenden Schutz von Ihnen und Ihren Lieben.

Schließlich ist zu beachten, dass mit der Verurteilung wegen einer Kapitalstraftat auch eine Existenzgefährdung einhergehen kann. Der Beruf kann regelmäßig über einen langen Zeitraum nicht ausgeübt und ein Einkommen daher nicht verzeichnet werden. Sogar die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus ist keine Seltenheit im Falle von Kapitalstraftaten. Umso wichtiger ist es, dass alle Verteidigungsmöglichkeiten umfassend ausgeschöpft werden!

 

Welches Gericht ist bei Delikten des Kapitalstrafrechts zuständig und in welcher Form ist eine Verteidigung möglich?

Bei den Delikten des Kapitalstrafrechts findet die Hauptverhandlung in der ersten Instanz vor dem Landgericht statt. Konkret gibt es dort eine sogenannte Schwurgerichtskammer, die sich mit den Kapitalstraftaten befasst.

Im Rahmen der Verteidigung prüfen wir die Beweislage (welche Beweise liegen vor und sind diese überhaupt verwertbar), die Schuldfähigkeit (liegt eventuell eine psychische Ausnahmesituation vor) sowie alle weiteren rechtlichen Aspekte (z. B. liegen eventuell Rechtfertigungsgründe, wie Notwehr oder Notstand, vor). Da es auf jedes noch so kleine Detail ankommen kann, beschäftigen wir uns immer intensiv mit dem Fall und prüfen in diesem Zusammenhang beispielsweise auch, ob möglicherweise statt einer Anklage wegen Mordes auch eine Verurteilung „nur“ wegen Totschlags in Betracht kommt.

Bei schwerwiegenden Straftaten wie den Kapitaldelikten wird zunächst auch immer auf die Grundlagen der Strafbarkeit des Beschuldigten eingegangen werden. Eventuelle tiefgreifende psychologische Aspekte oder anderweitige Bewusstseinsstörungen können zu schuldminderndem oder schuldausschließendem Handeln des Beschuldigten führen. So sieht § 20 StGB eine Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störung; insbesondere bei „exogene Psychosen“ (durch Zufuhr von Rauschmitteln, Medikamenten oder Giften ausgelöste, temporäre Beeinträchtigungen der Hirnfähigkeit) vor. § 21 StGB normiert zudem die sogenannte verminderte Schuldunfähigkeit; insbesondere bei verminderter Einsichts- oder Hemmungsfähigkeit des Täters bei der Tat.

So komplex wie die menschliche Psyche, so komplex können auch die der Tat zugrundeliegenden Ursachen beim Täter für schwer- und schwerstwiegende Straftaten sein. Daher ist es stets entscheidend, ausführliche Sachverständigengutachten über den psychologischen Zustand des Beschuldigten anzufordern. Das Vorliegen der in den §§ 20, 21 StGB genannten Voraussetzungen kann bei der Strafzumessung zu Milderungsgründen nach § 49 Abs. 1 StGB führen, die eine erhebliche Absenkung der Freiheitsstrafe um mehrere Jahre bewirken.

Von hoher Bedeutung in Kapitalstrafsachen ist daher in den meisten Prozessen das forensisch psychologische und forensisch psychiatrische Sachverständigengutachten, um eine Strafmilderung im Rahmen des § 49 Abs. 1 StGB zu erlangen. Nicht nur das Sachverständigengutachten an sich, sondern insbesondere die Auswahl des Sachverständigen ist entscheidend. So ist dem Verteidiger gem. Nr. 70 der Richtlinie für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren (RiStBV) während des Ermittlungsverfahrens Gelegenheit zu geben, vor Auswahl eines Sachverständigen dazu Stellung zu nehmen. Denn wird ein Sachverständiger im frühen Erkenntnisverfahren bereits schon zugelassen, wird dieser meist auch in der Hauptverhandlung sein Gutachten darlegen.

 

Welche Delikte des Kapitalstrafrechts – neben Mord und Totschlag – kennt das Gesetz noch?

Auch wenn es sich bei Mord und Totschlag sicherlich um die bekanntesten Delikte des Kapitalstrafrechts handelt, gibt es daneben auch noch weitere Straftaten, die in diese Kategorie einzuordnen sind. Genannt seien etwa

• die fahrlässige Tötung (§ 222 StGB),
• die Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB),
• die Körperverletzung mit Todesfolge (§ 227 StGB) sowie
• der Raub mit Todesfolge (§ 251 StGB),
• der räuberische Diebstahl mit Todesfolge (§ 252 StGB) und
• die räuberische Erpressung mit Todesfolge (§ 255 StGB).

 

Worin liegt eigentlich der Unterschied zwischen einem Mord und einem Totschlag?

Diese Frage haben Sie sich möglicherweise schon öfter gestellt. Eigentlich ist es ganz einfach: Bei einem Mord müssen nämlich im Gegensatz zum Totschlag ergänzende Mordmerkmale hinzukommen. Das Gesetz zählt in § 211 StGB eine ganze Reihe dieser ergänzenden Mordmerkmale auf. Hierzu zählt eine Tötung aus Mordlust, eine Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebes sowie eine Tötung aus Habgier oder aus sonstigen niederen Beweggründen. Aber auch eine heimtückische oder eine grausame Tötung, eine Tötung mit gemeingefährlichen Mitteln und eine Tötung, die zur Verdeckung oder Ermöglichung einer anderen Straftat dient, erfüllt die ergänzenden Mordmerkmale.

Ein weiterer und sehr relevanter Unterschied zwischen den beiden Delikten ist das jeweils angedrohte Strafmaß. Während es bei einem Mord in der Regel zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe (mindestens 15 Jahre) kommt, werden bei einem Totschlag meist deutlich kürzere Freiheitsstrafen verhängt. Im Gegensatz zu einem Mord, der niemals verjährt, existiert bei einem Totschlag zudem eine Verjährungsfrist von 20 Jahren.

Aus den genannten Gründen wird ein guter Strafverteidiger immer darauf hinwirken, nachzuweisen, dass keines der Mordmerkmale bei einer Tötung vorgelegen hat und es sich daher, wenn überhaupt,  „nur“ um einen Totschlag handelt.

Auch wir von Rechtsanwälte Göbel & Partner gehen entsprechend vor und prüfen in jedem Einzelfall ganz genau, welche Verteidigungsmöglichkeiten bestehen und wie das mildeste Urteil (oder im Optimalfall natürlich sogar ein Freispruch) für Sie erreicht werden kann! Die Vertretung Ihrer Interessen ist dabei unser oberstes Anliegen!